In einem packenden Finale konnten die Junglöwen am vergangenen Wochenende die gastgebende Mannschaft vom DSV 1878 Hannover mit 12:10 (0:7) bezwingen und verdient den Meisterwimpel mit nach Heidelberg nehmen.

Bereits am Freitag reiste die von Uwe Jansen, Yassin Ayachi und Jörg Becker trainierte Mannschaft in die niedersächsische Landeshauptstadt. Unterwegs stiegen noch unsere Heusenstammer Freunde zu, so dass Mazhars Bus bis auf den letzten Platz gefüllt war. Während der Fahrt brachte man den Hessen ein wenig Hendsemer Kultur nah. So wissen jetzt auch die Füchse, was ein echter „Riwweleskuche“ ist. Dieser wurde dankenswerterweise von unserem Christian Kalkhof als Naturaldoping gestiftet. In der Herberge wartete dann noch eine kleine Überraschung auf unsere Jungs. Jeder Spieler erhielt eine neue, von Martin Rasp und der Firma GEF gesponsorte Hose, die für die kommenden Aufgaben weiter beflügeln sollte.

Hannover 78 hatte für einen erstklassigen Rahmen dieser Endrunde gesorgt, der leider durch die kurzfristige Absage des Berliner RC aus den Fugen zu geraten drohte. Die von der DRJ gestellte Turnierleitung bot vor Turnierbeginn eine Egozentrik-Show allererster Güte und zog gegen den einstimmigen Wunsch aller beteiligten Mannschaftsbetreuer ihr zweifelhaftes Turniersystem durch. Während die Teilnehmer lieber ein Turnier im Modus Jeder-gegen-Jeden mit jeweils zwei Matches pro Team und Tag gespielt hätten, setzten die „Macher“ auf ein Qualifikationsturnier am Samstag, sowie Relegationsspiel, Halbfinale und Finals am Sonntag. Sowohl die Handschuhsheimer als auch Heusenstammer Betreuer diskutierten, ob man abreisen solle oder nicht. Bei sommerlichen Temperaturen am Samstag mussten die Jugendlichen an und manchmal auch über die Grenzen der Belastbarkeit gehen, was gerade zu Turnierende zu einigen überflüssigen Verletzungen führen sollte. Hier muss in Zukunft dafür gesorgt werden, dass die Gesundheit der Spieler über den Interessen Einzelner steht!

Unsere Jungs schlugen sich achtbar, nicht zuletzt dank der besten Wasserversorgung aller Mannschaften. Max Wilsch wurde trotz Verletzung zum wichtigsten Hendsemer Akteur am Samstag. Unser als Betreuer mitgereister Spieler schleppte zusammen mit Mathias Jech hektoliterweise Wasser an den Spielfeldrand, das ihnen „glühende“ Akteure direkt wieder aus den Händen rissen. Nach dem Sieg gegen die SG Niederrhein (19:0), Niederlagen gegen RK Heusenstamm (3:7) und Hannover (0:17), sowie einem Erfolg gegen die SG HRK / SCN (21:5) fand sich die SG TBR / TSV am Samstag Abend hinter 78 und RKH und vor SG HRK / SCN und SG Niederrhein auf dem 3. Platz, was die direkte Qualifikation fürs erste Halbfinale gegen Heusenstamm bedeutete. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch war von dieser aufgrund zahlreicher Blessuren und Verletzungen auch nicht gerade mehr viel vorhanden.

Harry Genthners berühmte Zauberhände bewirkten über Nacht wieder kleine Wunder und im Halbfinale gelang der SG mit 19:17 (10:3) der erste Sieg gegen Heusenstamm in dieser Saison. Die Führung wechselte mehrfach in dieser hochklassigen Partie zweier Teams auf absoluter Augenhöhe. Unter anderem der 100%igen Ausbeute ihres Kickers (4 Straftritte und 1 Erhöhung) verdankten die Junglöwen schließlich den Finaleinzug. Im anderen Semifinale musste Hannover 78 wesentlich mehr fighten, als es der klare 22:0 Endstand erahnen lässt. Die Spielgemeinschaft aus Ruderklub und Sportclub präsentierte sich über die gesamte Begegnung bei teilweise strömendem Regen kampfstark, so dass der Titelverteidiger mehr Körner lassen musste, als ihm lieb sein konnte.

Dass Endspiele ihre eigenen Gesetze haben, zeigte sich erneut an diesem dritten April. Die Junglöwen stürmten vom Ankick weg mächtig nach vorne, zwangen Hannover zum Vorwurf und erhielten das erste Gedränge zugesprochen. Dieses wurde sicher gewonnen, doch rutschte dem Gästehalb der glitschige Ball durch die Finger. Sein Kontrahent nahm dankend auf, bediente seine Mitspieler und 78 kam in der ersten Spielminute zu einem erhöhten Versuch. Stimmung im Lager der Niedersachsen, die auch im weiteren Verlauf der ersten Hälfte die optisch überlegene Mannschaft waren. Doch die Kurpfälzer Verteidigung hielt und man wechselte beim Stand von 0:7 die Seiten.

Auch der zweite Spielabschnitt sah dominierende Leinestädter und es stellte sich die Frage, wann die Heidelberger die nächsten Gegenpunkte würden zulassen müssen. Doch zurück zu den weiter oben erwähnten Endspielgesetzen. Der erste über die Außenbahn vorgetragene Gästeangriff ließ dem Eckdreiviertel den Raum, seine Gegner zu übersprinten, an der 22m-Linie den Schluss auszutanzen und ins Malfeld des Glücks einzutauchen. Erhöhung drüber – Ausgleich. Die 78iger zeigten nur kurz Wirkung und erhöhten weiter den Druck auf das gegnerische Malfeld. Die Partie entwickelte sich mehr und mehr zur Abwehrschlacht, bei der die Spielgemeinschaft mit aller Kraft versuchte ihr Malfeld sauber zu halten. Als der ausgezeichnet leitende Schiedsrichter Christian Döring die letzten drei Spielminuten ansagte, schien man fast am Ziel. Doch nur wenig später erhielten die Mannen in dunkelblau einen Straftritt vor den Stangen zugesprochen, der sicher zum 7:10 verwandelt wurde.

Alles aus? Vehement stürmten die Löwen nach vorn, kickten an und schafften das Unglaubliche. Das Heidelberger Pressing führte zum Turnover, der gewonnene Ball wurde schnell geöffnet und der zweite Innen war auf dem Weg ins Malfeld nicht mehr zu stopppen. Die Erhöhung verfehlte knapp das Ziel, die Niedersachsen traten nochmals an und die Quetsch wurde auf schnellstem weg ins Aus befördert. Schlusspfiff, Meister, Sensation, Sprachverlust und Riesenfreude im Lager des Außenseiters. 

Endlich mal wieder eine Heimfahrt von Hannover, in der man bereits als Meister in den Bus stieg, anstatt dieses Ziel erst am Frankfurter Kreuz herbeidebattiert zu haben. Die Stimmung unterwegs entsprach dem Erreichten und steigerte sich noch bei der Ankunft am Hans-Thoma-Platz, wo die Meistereltern ihren Lausern einen sensationellen Empfang bereiteten.

Bleibt noch ein kleiner Irrtum zu korrigieren. Im Laufe der Saison stand immer wieder die schlechte Trainingsbeteiligung unserer Junglöwen zur Debatte. So gesehen scheint es nicht wirklich falsch, dass sich die Buben den Weg zur Meisterschaft nicht durch zu viel Einflussnahme ihrer Trainer haben versauen lassen. Ein Pferd springt schließlich auch nicht höher, als es unbedingt muss…

Deutscher Juniorenmeister 2011:

Hinten: Jörg Becker, Patrick Schenk, Maximilian Wilsch, Lukas Erben, Simon Schäfer, Wasilios Vlachopoulos, Leif van Skyhawk, Rainer Verclas, Mathias Scherpe, Luis Marin, Yassin Ayachi.
Mitte: Niklas Heiß, Thomas Genthner, Lukas Wadlinger, Julian Schelb, Adrian von Tresckow, Wolfgang Polte.
Vorn: Marco Dörzbacher, Oliver Strang, Calogero Puccio, Kevin Frohmüller, Ali Boekeyhan Sürer, Vincent Spies, Harald Genthner.
Liegend: Oliver Seelinger, Kevin Klein.



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