Glückliche Gesichter nach dem Spiel

Gewitterwolken breiteten sich über dem „Museumspark“ bzw. „Lionsplatz“ aus. Und stürmisch sollte es werden, beim Aufeinandertreffen der beiden Erzrivalen aus dem Heidelberger Norden.
Neuenheim, zuletzt arg von Verletzungssorgen geplagt, hatte wohl einen Wunderheiler engagiert, da plötzlich alle Spieler, die gestern noch in der RNZ als nicht einsatzfähig beschrieben wurden und letzte Woche beim Spiel gegen Frankfurt nicht im Kader waren, putzmunter auf das Geläuf trabten.

Der TSV, wie von M. Jech angekündigt, hatte alle Spieler an Bord und so konnte das muntere Treiben beginnen. Und es begann rasant: Von der ersten Minute an zeigten beide Teams, dass es hier nicht um die goldene Ananas geht und setzten sich gegenseitig unter Druck. Sowohl die gastgebenden Neuenheimer, als auch die Besucher aus Handschuhsheim zeigten in der Offensive und in der Defensive, dass auch im Amateurrugby Härte und Dynamik keine Fremdwörter sind. Nur Punkte wurden kaum erzielt. Der SCN verwandelte zwei Strafstöße zum Halbzeitstand von 6:0.
Dennoch war die erste Hälfte alles andere als langweilig: Emotion, Spannung und Action war angesagt. Letzteres sogar etwas im Übermaß, so dass zunächst ein Spieler der Königsblauen nach einem gefährlichen Tackling in der Luft das Feld für 10 Minuten verließ, dicht gefolgt von einem Hendsemer, der des Schlagens überführt wurde. Man sollte meinen, dass die Heißsporne dadurch gewarnt waren, aber in der 40. Minute kam es nach einem Tumult zu einer sehr unnötigen und unschönen Schlägerei. Nur die Besonnenheit des sehr souveränen Schiedsrichters Himmer und seiner guten Assistenten verhinderte, dass jeweils mindestens 3 Mann vom Platz gestellt wurden.
So konnten die Teams in voller Besetzung in die Pause gehen.
Beide Trainer fanden wohl die richtigen Worte, und der 2. Durchgang begann wie die erste Hälfte und die Mannschaften schenkten sich nichts. Der TSV war jedoch ein bisschen wacher und aggressiver, verlagerte sein Spiel in den Sturm und konnte so zunächst durch den eingewechselten Felix Bayer einen schönen Stürmerversuch legen und 3 Minuten später durch eine Kopie des vorherigen Versuches, durch Alexander Pipa das Punktekonto auf 6:14 erhöhen.

TSV im Vorwärtsgang

Damit war der SCN aus den Play-Off Rängen und die RGH drinnen. Während die Löwen sich noch gegenseitig auf die Schulter schlugen, dachten sich die Neuenheimer Sportfreunde: das können wir auch und schoben ebenfalls im Paket über die Mallinie. Das Spiel war wieder offen. Und während Handschuhsheim sich noch wunderte, wie das passieren konnte, tauchte der pfeilschnelle Sita ins weiß-blaue Malfeld ein. Eckert erhöhte und schon stand es 20:14. Nun war der SCN wieder in den Play-Offs und die Stimmung bei den zahlreichen RGH-Zaungästen etwas getrübt. Aber es waren noch 25 Minuten zu spielen.
Die Hendsemer, angetrieben durch ihre mitgereisten Fans, in Zahl und Stimme dem heimischen Publikum deutlich überlegen, fingen sich wieder und kämpften sich durch zwei Straftritte durch M. Pipa wieder ran und so waren beide Teams auf dem Platz im Halbfinale.
Aber es ging laut DRV-Präsident Bach auch um den Titel des deutschen Rugby-Amateurmeisters und den gönnt man seinen Platznachbarn natürlich nicht: In der 70. Minute, beim Stand von 20:20 waren es abermals die Stürmer des TSV, die ihrem Gegenüber heute in Kampfeswillen und Ausdauer ein Quentchen überlegen waren und mit einem erneuten Kraftakt in Ruck und Maul über die Linie schoben. Rosenthal, heute in bestechender Form, legte Handauf und belohnte Alex Pipa für sein herausragendes Solo zuvor, bei dem er 5 SCN-Spieler im Alleingang abschüttelte. Doch der SCN gab nicht auf: 2 Minuten später kam die Antwort, ebenfalls durch die Stürmer, diesmal Didebashvili auf Seiten der Neuenheimer: 25:25, die Erhöhung misslang, was zur Folge hatte, dass eine Minute vor Schluss sowohl der SCN, als auch der TSV nächstes Wochenende spielen dürfen, und die RGH zuschauen kann. Aber dem TSV war heute nicht nach Geschenken zumute, und so kam, nach einigen Phasen absoluter Ballkontrolle, wieder Rosenthal mit viel Wille und dem weiß-blauen Sturm ins Mal: 25:30, Erhöhung misslang: SCN Tabellenvierter, TSV Tabellendritter und die RGH draußen. Aber der TSV zeigte Kämpferherz. Nach dem Ankick der Neuenheimer behielten die ersten Acht die Nerven und den Ball Phase für Phase unter Kontrolle und im Sturm. Einem Sportfreund vom SCN ging erst die Geduld verloren und dann er von der Seite ins Offene Gedränge. Es gab einen Straftritt von der 10- Meter– Linie! und Mathias „Stahlnerven“ Pipa verwandelte und löste so beim SCN und seinem Anhang Entsetzen und bei der RGH und dem TSV Jubelstürme aus. Endstand 25:33.
Insgesamt war es ein an Dramatik und Spannung kaum zu überbietendes Spiel, welches einem (Amateur-)finale gerecht wurde. Den Zuschauern wurde einiges Geboten und am Ende hat von zwei beinahe gleichstarken Mannschaften diejenige gewonnen, die am Ende noch etwas mehr Power hatte. So wäre es schwer beim TSV einen Spieler als Man-of-the-match herauszuheben, aber die 8 Stürmer verdienen sicherlich ein Sonderlob für besonders aufopferungsvolle Arbeit.

Als Rugbyfan bleibt mir nur noch mich bei allen Spielern und dem Referee-Gespann für ein wirklich packendes und großartiges Rugbyspiel zu bedanken!



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