Buchstäblich auf den letzten Drücker rissen die Löwen das Ruder herum und können nach dem 23:20-Sieg gegen Frankfurt nun wieder aus eigener Kraft die Playoffs erreichen. Doch nicht nur Trainer Alex Pipa war in diesem Spiel dem Nervenzusammenbruch nahe, denn spannender hätte es kaum sein können.

Es begann sehr zerfahren auf beiden Seiten und man merkte den Teams an, dass die Nervosität in dieser entscheidenden Partie doch eine große Rolle spielte. Trotz bestem Rugbywetter bei strahlendem Sonnenschein kam hüben wie drüben kein ordentlicher Spielfluss zustanden. Die ersten Punkte gingen per Strafkick an die Gäste, die knappe Führung konnte Oli Seelinger in der 14. Minute aber wieder zum 3:3 egalisieren. Kurze Zeit später bekam die aufgrund der großen Verletzungssorgen abermals neu aufgestellte Hintermannschaft des TSV einen geschickten Kick der Frankfurter nicht unter Kontrolle. So mussten die Löwen einen Gegenversuch hinnehmen. Die passende Antwort fand aber Marcus Bender, dem nach starkem Pick & Go der erneute Ausgleich gelang. Zehn Minuten vor der Pause legte der TSV sich selbst ein Ei ins Nest: Verbinder Yassin Ayachi befand sich zur Behandlung des lädierten Knöchels an der Seitenlinie und in der eigenen 22m-Zone verlor man den Ball am Gedränge. Die Überzahl ließen sich die Frankfurter nicht nehmen und legten außen zum Versuch ab. Mit 8:13 ging es in die Pause.

Die Halbzeitansprache hatte es in sich, selten hatte man den sonst eher besonnenen Übungsleiter Pipa derart brüllen gehört. Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht, verbissen kämpften die Löwen sich zurück ins Spiel und wurden für ihren Einsatz in Minute 48 belohnt. Von Kapitän Alex Hug perfekt freigespielt, ließ sich Luis Marin auf dem Weg ins Gegnermal nicht mehr aufhalten. Sein Versuch nach schönem Dummie bedeutete den 13:13 Gleichstand. In dieser Phase war der TSV jetzt am Drücker, das Geschehen spielte sich mehrheitlich in der Frankfurter Hälfte ab. Angesichts einiger abgewehrter Angriffe wollten die Löwen dann aber zu viel. Nach einem schnell angespielten Angriff fing ein Frankfurter den entscheidenden Pass heraus, der folgende Konter endete erst unter den Stangen des TSV. Nach erfolgreicher Erhöhung sahen viele das Unheil nahen, denn mit lediglich zehn Minuten Rest auf der Uhr wurde die Zeit knapp. Aufgeben ist aber jedem Löwen – wie den Fans – ein Fremdwort. Angepeitscht vom tollen Publikum warfen die Weiß-Blauen alles in die Waagschale. Christopher Sacksofsky tankte sich neben dem Offenen über die Linie und verkürzte auf 18:20. Die Erhöhung ging jedoch fehl, sodass die Schlussphase an Dramatik kaum zu überbieten war. Tief in der eigenen Hälfte gelang es den Löwen nochmal, einen Straftritt rauszuholen. Stück für Stück kämpften sie sich nach vorne und bekamen einen erneuten Strafkick etwas vor der Frankfurter 22m-Linie. Der eingewechselte Thomas Genthner setzte diesen links vorbei, aber unter Druck bekamen die Hessen den Ball nicht weit ins Aus gekickt. Diese letzte Chance nutzten die Löwen mit ihrer effektivsten Waffe. Das Paket rollte näher und näher ans Mal, die Frankfurter spielten hart am Abseits, doch die Löwen behielten die Nerven. Im genau richtigen Augenblick nahm der ebenfalls eingewechselte und noch frische Florian Stockert das Herz (und den Ball) in die Hand und wuchtete das Ei mit aller Willenskraft über die Linie. Die wieder verfehlte Erhöhung ging im Schlusspfiff und dem kollektiven Freudentaumel über das 23:20 unter.

Trotz spielerisch weniger hohen Niveaus war es ein packendes Match mit diesmal dem besseren Ende auf Seiten der Löwen. Der ein oder andere wird morgen im Spiegel ein neues graues Haar finden, aber angesichts der langen Verletztenliste muss man mit dem erkämpften Sieg zufrieden sein. Mit einem Sieg im Heimspiel über Köln in zwei Wochen kann der TSV den sechsten Tabellenplatz verteidigen, ohne auf Schützenhilfe angewiesen zu sein. Man of the Match wurde Luis Marin, der neben seinem tollen Versuch noch einige gelungene Aktionen in der Offensive zeigte. Vielen Dank an das Schiedsrichtergespann, den Gegner und vor allem die besten Fans der Liga – ihr wart heute das berühmte Zünglein an der Waage!

So spielten die Löwen:
Bender, Wetzel S., Sacksofsky – Schmidt, Rosenthal (72. Stockert) – Eiermann, Hug (Kapitän), Hübschmann (41. Wetzel H.) – Cooke, Ayachi – Huber (75. Genthner), Lortz, Marin, Seelinger (65. May), Bayer (45. Lulu)

Versuche: Bender (26.), Marin (48.), Sacksofsky (72.), Stockert (80.)
Strafkick: Seelinger (14.)

Der Versuch von Florian Stockert entschied das Spiel

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