Bei tollem Wetter hatten rund 650 Zuschauer den Weg auf den Hendsemer Acker gefunden. Enttäuscht wurde keiner, denn was beide Mannschaften ablieferten, kann getrost als das bisher beste Rugbyspiel der Saison bezeichnet werden. Zwei Teams auf Augenhöhe kämpften, rannten und spielten, als ob es kein Morgen mehr gegeben hätte.

Der SC Neuenheim begann druckvoll und setzte den TSV Handschuhsheim in den ersten Minuten in deren Hälfte fest. Allerdings stand die Verteidigung der Löwen und überzeugte sowohl mannschaftlich als auch individuell. Im Gegenzug zeigte die TSV-Hintermannschaft, das man mittlerweile weit weg vom „alten Spiel“ mit fast nur Sturmangriffen ist. Nach einem kleinen Abspielfehler der „Gäste“ wurde blitzschnell reagiert und nach außen geöffnet und Eckdreiviertel Oli Selinger legte einen 80-Meter-Sprint hin, der erst im Malfeld sein Ende fand. Routinier Mathias Pipa steuerte die erfolgreiche Erhöhung zum 7:0 bei. Danach ging der offene Schlagabtausch direkt weiter. Neuenheim überzeugte durch starke Standardsituationen, während die Löwen im offenen Spiel wacher wirkten. Trotz vieler wütender Angriffe der Königsblauen hielt die Abwehr des TSV das Malfeld aufopferungsvoll sauber. Nicht verhindern konnte sie aber zwei Strafkicks von Winston Cameron-Dow, der auf 7:6 verkürzte. Kurz vor der Halbzeit wurde SCN-Sturmführer Willians Portillo für zehn Minuten des Feldes verwiesen, in Überzahl gelang dem TSV ein Strafkick durch Pipa zum 10:6 Pausenstand.

Im zweiten Durchgang gelang es dem SCN, die restliche Unterzahl schadlos zu überstehen. Mit dem zusätzlichen Schub, nachdem Portillo wieder auf dem Platz war, drückten sie ein Paket über die Linie und erzielten den Ausgleich. Das Spiel war an Spannung nicht zu überbieten, mehrere Chancen auf beiden Seiten blieben ungenutzt oder wurden im letzten Moment vereitelt. Nach einer Gasse tief in der TSV-Hälfte hatte Portillo seine Nerven kurzzeitig nicht mehr im Griff und holte sich wegen Late-Tackles die zweite Karte ab, damit musste der SCN mit 14 Mann zu Ende spielen. Doch als ob dies für zusätzliche Motivation gesorgt hätte, markierte der blaue Sturm kurz danach die erstmalige Führung nach einem Push-Over-Versuch. Die Löwen zeigten ihr berühmtes Herz und griffen aus allen Lagen an, mehrfach ging es bis wenige Zentimeter vor das SCN-Mal. Aber eben diese Zentimeter machten den Unterschied, denn Punkte gelangen ihnen nicht mehr. Als die gute Schiedsrichterin Katharina Pickert, assistiert von Forstmeyer und Augsburger an der Linie, beim Stande von 13:20 abpfiff, konnte der SCN den Derbysieger bejubeln, während die Löwen sich mit dem Bonuspunkt für die Defensive begnügen mussten.

Unterm Strich geht das Ergebnis in Ordnung, dem SCN-Sturm gelang es dank einer großen Energieleistung, die Unterzahl zu kompensieren und den Vorsprung über die Zeit zu retten. Vom Spielverlauf her hätte sich auch niemand über ein Unentschieden beschweren können, doch manchmal genügen eben zwei kleine Situationen, um dem Pendel den Ausschlag zu geben. Gewinner waren in jedem Fall die Zuschauer, die wunderbares Rugby geboten bekamen und beide Mannschaften unter verdientem Applaus verabschiedeten.

TSV (1-15):
Bender, Brew, C. Sacksofsky – El-Chami, Contin – Stockert, Hartmann (Kapitän), F. Bayer – M. Bayer, S. Lorenz – Selinger, Ayachi, Badelt, Cooke – M. Pipa.

Eingewechselt wurden: Griskaitis, Reinhard, Marin, Schmidt

Punkte: Selinger (Versuch), M. Pipa (Erhöhung und Strafkick), S. Lorenz (Dropkick).



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