Durch einen 31:15 (28:10)-Sieg gegen den München RFC gewannen die Löwen den Ligapokal nach 2006, 2007 und 2010 zum vierten Mal. Dabei legte ein furioser Auftakt den Grundstein zum Erfolg.

Schiedsrichter Florian Forstmeyer hatte kaum angepfiffen, da jubelten die 500 TSV-Fans auch schon zum ersten Mal: In der zweiten Spielaktion durchbrach Alex Pipa die Verteidigung der Münchner und legte mittig ab, nach sicherer Erhöhung durch Sebastian Lorenz stand es 7:0. Kurz darauf der nächste Schock für die Bayern. Nach weitem Kick sah Lorenz die Lücke auf der linken Seite und machte das Spiel breit. Über Pipa gelang der Ball zu Ruben May, der mit perfektem Timing Moritz Bayer bediente – der flinke Außendreiviertel sagte „Auf Wiedersehen“ und war beim Sprint auf die letzten 40 Meter bis ins Münchner Malfeld erster Sieger. Wieder zeigte sich Lorenz treffsicher und angesichts des Traumstarts tobte das Publikum schon auf den Rängen, die Kulisse war absolut erstklassig.

München setzte den TSV nun mit dem Sturm unter Druck und bekam einen Strafkick in aussichtsreicher Position zugesprochen. Kicker Frederic Begards brachte den MRFC souverän mit drei Zählern auf die Anzeigetafel. Doch prompt folgte der nächste Nackenschlag: Nach schulbuchmäßigem Spielzug wand sich André Wenz zwischen mehreren Gegenspielern durch und sorgte für den nächsten Versuch – dank des Fußes von Lorenz führten die Löwen nach nicht einmal 20 Minuten klar mit 21:3. Bei einem weiteren erfolgreichen TSV-Angriff wäre die Partie wohl frühzeitig gelaufen gewesen, aber Münchens Adrian Codron roch den Braten und fing den entscheidenden Pass heraus – der nachjagende Wenz konnte ihn erst im Malfeld stellen. Begards besorgte die Extrapunkte und das Spiel war beim Stande von 21:10 wieder offen. Die Löwen ließen sich vom Rückschlag nicht entmutigen und zeigten sich weiter angriffslustig. Nach mehreren Attacken, die nur regelwidrig von den Münchnern gestoppt werden konnten, zeigte der mit klarer Linie pfeifende Forstmeyer MRFC-Gedrängehalb Xavier Moral die gelbe Karte. Als auch die darauf folgende Aktion aus dem Abseits kam, war nach kurzer Beratung mit Seitenrichter Johannes Augspurger, der einen ebenso tadellosen Job ablieferte wie Kollege Hans Brauner auf der anderen Seite, der Strafversuch für die Löwen fällig. Natürlich war Lorenz per Fuß wieder zur Stelle und mit 28:10 ging es in die Pause.

Sebastian Lorenz war nicht nur im Angriff gefährlich, sondern zeigte auch eine überragende 100%-Trefferquote bei seinen Kicks

Nach dieser hatte sich der Gast besser auf das gefährliche Angriffsspiel der Handschuhsheimer eingestellt und gab ihnen nur noch wenige Möglichkeiten, die Hintermannschaft ins Spiel zu bringen. Trotz des vielfachen Anlaufens hielten die Münchner ihr Malfeld sauber. So war es Lorenz vorbehalten, seine Spitzenperformance mit dem nächsten Kick nach Straftritt zu veredeln (45.). Seine 100%-Kickquote im Finale sprach Bände und stand stellvertretend für die durchweg tollen und konzentrierten Leistungen, die alle TSV-Spieler an diesem Tag zeigten. Lange Zeit neutralisierten sich beide Teams und zeigten harte Verteidigungsarbeit. TSV-Trainer Christoph Heising konnte durch die starke Bank frische Kräfte ins Spiel bringen, besonders bei der Auswechslung von Kapitän Johannes Laule gab es tosenden Applaus. Der Anführer beendete – ebenso wie Heising – seine aktive Karriere in der zweiten Mannschaft und konnte mit dem alten Weggefährten verdient den abschließenden Titel feiern. Denn dieser geriet trotz eines Münchner Sturmlaufs nicht mehr in Gefahr. Der MRFC war zu jeder Zeit ein würdiger Finalgegner und zeigte besonders in der zweiten Hälfte großen Kampfgeist. Der Ehrenversuch durch Alan Moughty (71.) war der verdiente Lohn, doch mehr sollte den Gästen nicht gelingen.  Beim Abpfiff lagen sich die Handschuhsheimer in den Armen und feierten den Ligapokal bis in die frühen Morgenstunden.

Wir bedanken uns bei allen Anwesenden: Fans, Einlaufkids, das gesamte Organisationsteam mit all den fleißigen Helfern, unsere Freunde vom HTV, die mit einer großen Gruppe zum Gegenbesuch gekommen waren (wie die Löwen vor Wochenfrist zu deren DRV-Pokalfinale), sowie alle anderen haben den Samstag zu einem unvergesslichen Erlebnis und bester Werbung für den Rugbysport gemacht. Auf dem Feld boten beide Teams und das Schiedsrichtergespann eine tolle Leistung in einem großartigen Ligapokalfinale. Ebenso ein herzliches Dankeschön an alle Sponsoren, die den TSV während der Saison und dem Finale unterstützt haben und sicherlich sahen, mit welchem Herzblut alle Handschuhsheimer bei der Sache waren. Eine schöne Sommerpause allerseits und bis zur nächsten Saison, wenn es wieder heißt: Die Löwen sind los!

TSV Handschuhsheim – München RFC 31:15 (28:10)

TSV: Lorenz – Wenz (50. Burger), Pipa (75. von Haken), May, Bayer – Leimert, Gutfleisch (63. Boussuge) – Camus (60. Maghalaes), Eiermann, Reinhard – Ruhland (72. Herkommer), Laule (77. Gresham) – Aschauer (62. Held), Danzer, Himmer

MRFC: Begards – Codron, Gonzales, Haase, Lefherz – Denmarbie, Mora – Schuster (62. Briggs), Moughty, Warner – Puyalto, Williams (60. Laurich) – Degrote, Gelly, Loders

Schiedsrichter: Forstmeyer (Heidelberg)

Zuschauer: 500

Punkte: 7:0 (2.) Versuch (V) Pipa + Erhöhung (E) Lorenz; 14:0 (4.) V Bayer + E Lorenz; 14:3 (16.) Straftritt (S) Begards; 21:3 (18.) V Wenz + E Lorenz; 21:10 (24.) V Codron + E Begards; 28:10 (35.) Strafversuch + E Lorenz; 31:10 (45.) S Lorenz; 31:15 (71.) V Moughty

Zeitstrafen: Bayer (79.) / Mora (32.)



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